RJ: Vorwort

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Die Automatisierung und der daraus resultierende Verlust von Arbeitsplätzen ist eines der wesentlichen Themen unserer Zeit. Auch vor dem Journalismus macht dieser Wandel nicht Halt: Polizeimeldungen, Fußball-Spielberichte und Börsennews werden teilweise schon heute maschinell erstellt – „Roboterjournalismus“ nennt man das oder wissenschaftlich korrekt: Textgenerierung.

Die Entwicklung der künstlichen Intelligenz führt dazu, dass immer mehr Texte von Maschinen geschrieben werden. Das erhöht den Output. Aber wie steht es um die Qualität? Welche Zugeständnisse müssen Leser, Hörer, Zuschauer, Online-User machen, um möglichst viel lesen, hören, sehen zu können? Wo werden schon welche Texte von Computern geschrieben? Was sagen Experten zu den weiteren Perspektiven. Wir haben Antworten auf diese Fragen gesucht – und gefunden!

Automatisch erstellte Texte sind heutzutage überall zu finden und kaum zu erkennen. Die wöchentliche Zusammenfassung der Fitness-App, die Produktbeschreibung auf einer Shoppingseite oder das Wetter der nächsten Woche — alle diese Texte haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind von Robotern geschrieben worden, entstanden allein durch Daten und Zahlen.

Wo diese Technologie schon heute genutzt wird und welche Probleme sich daraus ergeben, wissen Antonia Heizmann und Victoria Wegmann. Sie zeigen auch auf, dass der Roboter manchmal schneller Fehler macht, als der Mensch sie korrigieren kann.
Geht die automatische Texterstellung also zu Lasten der Qualität oder ist sie eine weitere Facette des Fortschritts? Giuliano Roper hat einige Verlagshäuser nach ihrer Meinung dazu gefragt. Je nachdem wie der Algorithmus den Text erzeugt, sind weitere Unterscheidungen möglich: Setzt er nur Daten in vorgefertigte Schablonen ein oder vermag er einzelne Textbausteine selbst zu einem logisch konsistenten Stück zusammenzusetzen? Daniel Schmitz hat das Wichtigste über die genaue Funktion einer Software zur Textgenerierung zusammengefasst. Journalisten sollen zur Meinungsbildung der Bevölkerung beitragen, über wichtige aktuelle Geschehnisse informieren und kontroverse Themen einordnen. Publiziert ein Journalist falsche, womöglich rufschädigende Behauptungen oder gar Beleidigungen, drohen empfindliche Strafen. Bei automatisch generierten Texten besteht aus juristischer Sicht noch Nachholbedarf. Laura Zimmermann und Jennifer Kosch sind den rechtlichen Fragen im Roboterjournalismus auf den Grund gegangen. Eine Frage stellt sich bei dem Ganzen jedoch immer: Und zwar, ob die automatische Textgenerierung zum Verlust von Arbeitsplätzen im Journalismus führen könnte. In einigen Nachrichtenagenturen und größeren Redaktionen ist die automatische Textgenerierung schon heute gängige Praxis. In einem Interview mit Jan Georg Plavec von der Stuttgarter Zeitung haben Johanna Schulze und Alexander Leitsch den Experten nach seiner Einschätzung gefragt. Obendrein berichtet der Journalist vom Redaktionsalltag mit seinem „Roboter-Kollegen“.Funktioniert die Software fehlerfrei und sind alle juristischen Bedenken geklärt, ist es nur noch eine Frage des Preises, ob sich Roboterjournalismus lohnt. Schafft es eine Software mehr Texte von journalistischer Qualität zu niedrigeren Kosten zu erstellen als der Redakteur? Marc Bieschinski und Jannis Lindner zeigen am Beispiel der Firma Retresco, was eine Software zur redaktionellen Erstellung von Texten kostet.

Gute Unterhaltung mit vielen spannenden neuen Erkenntnissen wünschen Ihnen

Max Dittler und Christoph Vogels
Chefredaktion