RJ: Das sagen Redaktionen

 

Roboterjournalismus – eine Möglichkeit Journalisten zu
unterstützen oder doch kein Thema für Qualitätsjournalismus?

GIULIANO ROPER

Die Möglichkeit automatisiert Texte zu erstellen erscheint schon aus Kostengründen ein fester Bestandteil des zukünftigen Journalismus zu sein. Das jüngere Publikum wendet sich von den klassischen Medien ab und konsumiert Nachrichten zunehmend über das Internet. Laut dem Digital News Report waren im vergangenen Jahr nur acht Prozent bereit für Nachrichten im Internet zuzahlen. Werbeeinnahmen werden durch die weite Verbreitung von Adblockern eingeschränkt.

Der Digital News Report ist einer jährliche Studie des britischen Reuters Instituts. Ihm zufolge ist Deutschland im internationalen Vergleich eher konservativ bei der Nutzung von Informationsmedien. Das Gerät, das Format und auch die Quelle: Bei allen dreien liegt der Gebrauch neuerer Technologien bei der Nachrichtennutzung unter dem Durchschnitt. 47 Prozent der Befragten verwenden ihr Smartphone für Nachrichten; verglichen mit 62 Prozent der 36 Umfrageländer. 22 Prozent hören regelmäßig Podcasts; 34 Prozent bei den anderen Umfrageländern. Und 44 Prozent der Deutschen schauen Nachrichtenvideos; das machen 65 Prozent in den anderen Umfrageländern. Dafür bringen die Deutschen den Medien ein relativ hohes Maß an Vertrauen entgegen. Wenige sorgen sich um Fake News. Nur zehn Prozent erhielten in der Umfragewoche eine Nachricht von einer Breaking-News-App auf ihr Smartphone; die anderen Länder 16 Prozent. Derartige Nachrichten werden bereits häufig automatisiert erstellt. Dementsprechend zurückhaltend gehen viele Redaktionen das Thema Roboterjournalismus an. Die Gefahr des Qualitäts- und Vertrauensverlustes und die dadurch rückläufigen Absatzzahlen wird derzeit als größer erachtet als der potentielle Gewinn durch den Einsatz automatisierter Texterstellung. Bislang wird der Roboterjournalismus daher vor allem in Nischen angewendet wie Fußballspielberichten oder Börsenmeldungen. Doch auch wenn die Entwicklung in Deutschland langsamer voranschreitet als andernorts, liegt die Betonung auf bislang. „Wir beobachten natürlich Entwicklungen und neue Technologien, die die Arbeit von Journalisten unterstützen oder das Nutzer-erlebnis verbessern können“, so Friedrich Kabler vom Axel Springer Verlag.

Roboterjournalismus: Das sagen Redaktionen

„Themenfindung, Recherche, Auswertung und Texterstellung auf gutem journalistischen Niveau summieren sich zu einer hochkomplexen Tätigkeit, bei der nicht nur die Ausbildung, Erfahrung und Sachkenntnis eines Journalisten einfließen, sondern auch sein Netzwerk von Beziehungen zu Gesprächspartnern und Informanten, etwa Experten oder Politikern.“
Susanne Klein, Süddeutsche Zeitung

„Journalistische Arbeit, die qualitativ und einordnend ist; die Lesern auch Orientierung und Meinung bietet, das können nur Journalisten, die kreativ arbeiten und Entscheidungen jenseits von Algorithmen treffen. Gerade vor dem Hintergrund der zahlreichen Angebote im Netz sind wir deshalb ein glaubwürdiger und verlässlicher Absender von Informationen.“
Friedrich Kabler, Axel Springer Verlag

„Für ein Qualitätsmedium wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung ist Roboterjournalismus kein Thema“
Franziska Kipper-Schreyer, Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Wir haben uns mit dem Thema noch nicht ernsthaft beschäftigt, weil wir gar nicht die Textmengen und -genres haben, die den Einsatz sinnvoll und wirtschaftlich machen würden.“
Dr. Helge Matthiesen, Bonner Generalanzeiger