RJ: Kosten

 

Kosten des Roboterjournalismus

MARC BIESCHINSKI UND JANNIS LINDNER

„Die Größe und Auflage spielt keine Rolle, da das redaktionelle Angebot auch kleiner und mittlerer Medienangebote durch automatisierte Texte […]sinnvoll erweitert werden kann“, erklärt Lydia Herrmann von der Firma Retresco. Das Berliner Unternehmen bietet die Software zur automatisierten Erstellung von redaktionellen Texten an, sogenannte Natural Language Generation (NLG).

Verschiedene Anbieter – verschiedene Bezahlmodelle
Üblicherweise bieten die Entwickler dieser Programme ihre Systeme als Software-as-a-Service (SaaS) an, bei dem monatlich einen Grundbetrag für einen Zugang bezahlt wird. Weiter fallen bei dem Modell von Retresco aufwandsbezogene Kosten für Individualisierung, Weiterentwicklung und Betreuung an. Bei dem Modell der Stuttgarter Firma AX Semantics werden zusätzlich zu dem Grundbetrag pro Nutzer in der Redaktion eine Pauschale pro generierten Text von 80 Cent berechnet.

Hauptgrund für Roboterjournalismus: Niedrige Kosten. Foto Pixabay, Montage Bieschinski

Was heißt das konkret?
Für eine fiktive Beispielredaktion mit einer wöchentlichen Auflage von 100.000 Exemplaren, die 100 Texte pro Monat automatisiert generieren lassen möchte, entstehen nach dem Modell von AX Semantics Kosten von monatlich 80,- Euro für die Texterstellung und weitere 279,- Euro für den Zugang zum System. Im Vergleich dazu bezieht ein Mensch in der Redaktion in seinen ersten zehn Berufsjahren im Monat durchschnittlich 3700 Euro brutto, so die Gehaltstabelle für Tageszeitungen des Deutschen Journalisten-Verbandes.
Bei den meisten anderen Anbietern dieser Technologien kann keine pauschale Aussage über die Kosten getroffen werden. Bei ihnen ergeben sich die Kosten individuell angepasst an die Redaktion. Geht es also um eine große Anzahl von sehr einfachen, auf Eckdaten basierenden Texten, liegt die automatisierte Textgenerierung in unserem Beispiel im Punkt Kosten weit vorne. Dabei ist aber nicht außer Acht zu lassen, dass die Möglichkeiten eines menschlichen Mitglieds der Redaktion bei dem Formulieren von 100 einfach strukturierten Texten im Monat noch lange nicht enden.

Über zukünftige Preise lässt sich nur spekulieren
Die Branche der Natural Language Generation ist ein sehr innovationsgetriebener Markt. Lydia Herrmann von Retresco bemerkt, „dass insbesondere die Investitionsbereitschaft in komplexere, nicht individualisierte und flexible Softwarelösungen in vielen Branchen in den letzten Jahren zugenommen hat.“ Laut Lydia Hermann befindet sich der NLGMarkt in einer sehr frühen Phase. Mit der Veränderung der Technik werde sich dadurch auch die Gestaltung der Preise schwer vorhersehbar ändern.